Die weltweite Finanzkrise zeigt:
die globale Wirtschaft ist so vernetzt, dass ein Bankenfiasko in den USA auf Deutschland als Exportnation zurückspielt.
Jeder dritte Arbeitsplatz lebt von der Ausfuhr in andere Länder.
Wenn in den USA das Geld knapp wird, dann gehen auch die Aufträge für den deutschen Maschinenbau und die Automobilindustrie zurück.
Auslöser der Bankenkrise sind amerikanische Anlagepakete minderer Qualität;
die jedoch von unabhängigen Ratingagenturen als Güteklasse 1 A bewertet wurden.
Hier zeigt sich die begrenzte Sicht, selbst der Finanzexperten, für Risiken und Mängel in der globalen Finanzarchitektur.
Bereits im Mai 2008 bezeichnete Bundespräsident Horst Köhler die "Finanzmärkte" in einem Interview mit dem Magazin 'Stern' als ein "Monster", ohne "Bezug zur Realwirtschaft."
Der Eindruck entwickelt sich, dass 20 Jahre nach dem Scheitern des Sozialismus in Mittel- und Osteuropa in diesen Jahren das Scheitern eines ungebändigten Kapitalismus stattfindet und die in Deutschland entwickelte Soziale Marktwirtschaft als dritter Weg zwischen den Extremen neu belebt werden muss.
Was den 'schwarzen Freitag' von 1928 und die daraus resultierende Weltwirtschaftskrise und den 'schwarzen Montag' des Jahres 2008 verbindet ist, dass beiden Krisen ein enormer Spekulationsboom vorausging.
Schnelles Geld und ein laxer Umgang mit den Risiken prägte bis 2008 die eindimensional ausgerichteten US-Banken.
Die auf verschiedene Geschäftsfelder basierenden deutschen Universalbanken sind, trotz aller Fehler in der Geschäftspolitik, krisenfester.
Der Unterschied bei der Krisenbekämpfung zwischen 1928 und 2008 liegt vor allem darin, dass die Regierungen erstens ein gemeinschaftliches Handeln über den Atlantik hinweg entwickeln und dass diesmal nicht der eng gezogene Gürtel sondern Bürgschaften, staatliche Beteiligungen und gezielte Investitionsprogramme Schadenbegrenzung für die reale Wirtschaft anstreben.
Weltweit wurde der Verlust der Börsenwerte im Sommer 2008 auf 2,8 Billionen Dollar geschätzt.
Das Bruttonationaleinkommen aller afrikanischen Länder beträgt rund 540 Mrd. Dollar.
Zu den Konsequenzen müssen gehören, dass Spekulationen über den Niedergang von Unternehmen an der Börse dauerhaft verboten werden.
Die Börse ist kein Casino und die Wirtschaft ist kein Pferderennen.
Wer heute gegen Unternehmen wettet, der spekuliert auch gegen Volkswirtschaften.
Weitere Konsequenzen müssen folgen:
Öffentlich-rechtliche Banken, wie die Kreditanstalt für Wiederaufbau, müssen in die allgemeine Bankenaufsicht einbezogen werden.
Sie haben sich auf ihr Kerngeschäft, die Mittelstandsförderung, zu konzentrieren.
Aufsichtsräte sind mit Experten zu besetzen und diese sind so mit Personal auszustatten, dass sie eine permanente und wirksame Kontrolle ausüben können.
Manager sind vorrangig nach den langfristigen Ergebnissen ihres Handelns für das Unternehmen und die sie tragenden Beschäftigten zu vergüten.
Dazu gehören auch dem Einkommen entsprechende Haftungsbedingungen.
Anders als bei fast allen anderen Steuerarten können ihre Bezüge nicht ungedeckelt steuerlich absetzbar bleiben.
Gier essen Seele auf; ist die Botschaft des globalen Finanzdesasters.
Die Konsequenz der schwarzen Tage für den Kapitalismus:
Nur eine neue Wirtschafts- und Finanzmoral kann das 'Monster' bändigen.
Oswald von Nell-Breuning SJ, Nestor der katholischen Soziallehre schrieb 1928 über die 'Grundzüge der Börsenmoral'.
Seine Kernaussage hat neue Aktualität:
"Die Börse ist von jeher ein Tummelplatz skrupellosester Machenschaften gewesen, und nirgendwo kann rücksichtsloser Eigennutz so ungeniert seinen Weg über Leichen nehmen wie an der Börse.
Aber wenn nach einem bekanten Worte Augustinus selbst die Räuberbanden ihren Ehrenkodex haben, dann setzt das Funktionieren eines so feinen Apparates wie die Börse erst recht eine ... nicht unbeträchtliche Kaufmannsmoral voraus", so der Schüler Jesu.
Eine Weltfinanzordnung ist überfällig.
Die globale Wirtschaft muss mit einer globalen Kapitalpartnerschaft in Einklang gebracht werden.
Hier liegt die größte Bewährungsprobe zwischen dem europäischen System der Sozialen Marktwirtschaft und dem Neuanfang mit Barrack Obama in den USA.