Unsere Gesellschaft diskutiert zur Zeit über die Zukunft Europas.
Für die Menschen des Kreises Viersen ist Europa sehr konkret.
Das grenzüberschreitende Projekt 'VeNeTe' kann das Tor des Niederrheins zur europäischen Wirtschaftsregion sein.
Schon heute profitiert der Kreis von einem europäischen Bildungsraum, wenn in der Fontys-Hochschule in Venlo von den 3.500 Studierenden fast 70% aus Deutschland kommen.
Schon heute nutzen viele Studenten die Nähe des Kreises Viersen zur Fontys in Venlo und wählen das Kreisgebiet als Wohnort, u.a. in den Studentenwohnheimen in Kaldenkirchen.
Die Düsseldorfer Landesregierung muss begreifen, dass nicht nur im Ruhrgebiet, sondern auch am Niederrhein – und speziell im Kreis Viersen – wirtschaftliche Entwicklung stattfindet.
So ist 'Münchheide' kein Naherholungsziel, sondern eines der größten zusammenhängenden Gewerbegebiete Europas mit 8.000 Arbeitsplätzen in Willich.
Verkehrswege sind Wirtschaftswege.
So ist es gut, dass der Lückenschluss der A 52 zwischen den Niederlanden und dem Niederrhein vollzogen wurde und die Bauarbeiten an der A 61 begonnen haben.
Auch die Floriade, die in einem halben Jahr die Welt zu Gast haben wird, trägt erste Früchte.
Notwendig sind aber auch grenzüberschreitende Schienenwege, wie der zweigleisige Ausbau der Strecke Viersen-Nettetal-Venlo, sowie die Verlängerung der Regiobahn von Düsseldorf, Kaarster See über Neersen, Viersen, Nettetal bis Venlo.
Wer in seinem überschaubaren Sprengel hocken bleibt, statt die grenzüberschreitenden Kontakte zu nutzen, der wird im wirtschaftlichen Wettbewerb verlieren.
Der Niederrhein ist eine Gewinnerregion.
Bereits am 24. März 1946 forderte Konrad Adenauer an der Kölner Universität die "Vereinigten Staaten von Europa".
Im August schlug er einen europäischen Binnenmarkt, "bestehend aus England, Frankreich, Belgien, Luxemburg, Holland und der westdeutschen Zone" vor.
Adenauers Credo: "Ein Bundeskanzler muss zugleich guter Deutscher und guter Europäer sein."
Zur deutsch-französischen Freundschaft kündigt er an:
"Sie wird ein Angelpunkt unserer Politik sein, weil sie der wunde Punkt unserer Politik ist."
In dieser Tradition steht auch die Vereinbarung von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy zur Eurostabilität.
Der Euro sorgt dafür, dass wir nicht mit Währungsdifferenzen, sondern mit unserer Qualität den europäischen Binnenmarkt beliefern.
In Deutschland ist jeder fünfte Arbeitsplatz von Exporten in die Eurozone abhängig.
Eine gemeinsame finanzpolitische Stabilitätskultur ist überfällig und deshalb sollte die Schuldenbremse, die wir in die Verfassung aufgenommen haben, europaweit gelten.
Mit einer Finanztransaktionssteuer – zumindest innerhalb der Eurozone – ist die Spekulation nach dem Verursacherprinizip an der Finanzierung des Euroschutzschirmes zu beteiligen.
Europa ist nicht immer beliebt, ist aber die Lebensversicherung für Wohlstand und wirtschaftliche Entwicklung, auch am Niederrhein.